TSC-Nordlicht-Rostock
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Erlebnisbericht von Anja und Christian Platz

Bericht für den Tanzspiegel Juni 2020 (Regionalseiten)

 

 

Als es noch möglich war: 

10 Tage, 4 Länder, 5 Turniere und 2 Weltmeisterschaften 

 

Dieses aufregende Abenteuer durften Christian und ich erleben. In unserem ersten Seniorenjahr wurden gleich zwei Weltmeisterschaften im Februar ausgetragen. Unser erster internationalen Auftritt bei den Senioren I war gleich die WM Standard in Antwerpen am 07.02.2020. Am Vortag reisten wir an und unternahmen zu Fuß unsere Erkundungstour. Dabei waren wir als Fußgänger außerhalb der Innenstadt eine große Ausnahme. Die Belgier waren fast ausschließlich mit dem Rad oder dem Auto unterwegs. Teilweise gab es keine Fußwege. Am nächsten Tag tanzten wir hoch motiviert und zugleich gespannt, wo man uns einsortieren würde, unsere erste Weltmeisterschaft. 106 Paare aus 22 Nationen waren am Start. Davon vertraten 28 Paare den DTV. Mit sehr hohen Kreuzzahlen erreichten wir die 80er und später die 48er Runde. Damit war unser Minimalziel erreicht. Voller Freude konnten wir auch in dieser Runde die Wertungsrichter von uns überzeugen und zogen ins Viertelfinale der besten 28 Paare ein. Gegen 21 Uhr wussten wir das Ergebnis: Wir erreichten bei unserer ersten WM den 28. Platz. Ausruhen war noch nicht möglich. Am kommenden Tag stand schon unsere Gemeinsame Landesmeisterschaft Senioren I S Latein in Buchholz an. Also, fuhren wir noch in das kleine Örtchen Notterveld (Niederlande) und suchten dort unsere Unterkunft. Gefühlt führten uns die Wegweiser unserer Pension in einem großen Bogen durch die Ortschaft ehe wir unser Ziel erreichten. Trotz telefonischem Hinweis unsererseits, wann wir voraussichtlich ankommen werden, war die Pensionsleiterin schon eingeschlafen und kaum zu wecken. Nach über 15 Minuten fand sie den Weg zur Haustür, um uns hinein zu lassen. Entschädigt wurden wir mit einem schicken Zimmer und einem liebevoll hergerichteten Frühstück. Weiter ging es nach Buchholz. In einem kleinen aber feinen Feld von drei Paaren konnten wir souverän mit 22 von 25 möglichen Einsen alle Tänzen gewinnen und somit den Landes- und Norddeutschenmeistertitel entgegen nehmen. 

Die nächsten Tage wurde noch trainiert und der Geburtstag unseres Sohnes gefeiert. Am Mittwochmorgen, dem 12.02., flogen wir mitsamt unseren Kindern und der Omi bei eisigen Temperaturen und Schnee in Hamburg los. Per Zwischenstopp in Frankfurt erreichten wir mittags die französische Stadt Lyon. Mit dem Rhône-Express und der U-Bahn fuhren wir noch bis Lyon-Gerland. Dort war unser Hotel. Nun hatten wir noch zweieinhalb Tage Zeit, um die Stadt zu besichtigen. Zuerst erkundeten wir die nähere Umgebung vom Hotel und der Turnierstätte „Palais des sports de Gerland“. Wir wollten noch unser Mittag nachholen. Aber die Restaurants öffneten dort alle erst wieder abends. Also musste erst ein kleiner Snack beim Bäcker geholt werden. Am Donnerstag fuhren wir in die Innenstadt. Wunderschöne Brunnen und Hausfassaden konnten wir besichtigen. Da das Wetter leider etwas nass war, beschlossen wir den restlichen Tag im Kunstmuseum zu verbringen. Skulpturen, Gemälde aus allen Epochen, eine große Sammlung von Kunstschätzen beginnend mit dem ägyptischen Zeitalter bis zum Mittelalter inklusive einer Münzausstellung, sowie moderner Kunst mit „Tanz“-Filmen boten einen kurzweiligen Zeitvertreib. Im Riesenrad auf dem Place Bellecour schlossen wir den Tag mit Blick über alle Häuser und historischen Gebäuden ab. Am Freitag war das Wetter frühlingshaft und wir entschieden uns für einen Besuch des „Parc de la Tête d’Or“. Dort konnte man neben schönen Spaziergängen den Botanischen Garten, sowie einen kleinen Tierpark bewundern. Die Kinder konnten sich zusätzlich noch auf Spielplatzen austoben. 

Am Abend vor der WM erfuhr ich, dass der Hairstylist verhindert war. Glücklicherweise konnte ich kurzfristig bei „Beautycode“ am selben Abend noch einen Termin bekommen. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle. 

Ausgeruht und gestärkt waren wir am Samstag ca. dreieinhalb Stunden vor Turnierstart da. Eine etwa 20 Meter lange Schlange wartete vor dem Check-In. Sagenhafte 50 Minuten dauerte es bis wir dann dran waren. Kein Vergleich zu Antwerpen, wo in wenigen Sekunden die Anmeldung erledigt war. Dann musste ich noch schnell Make-up auftragen lassen, wir uns umkleiden und warm machen. Dann konnte die Weltmeisterschaft Senioren I Kombi mit 35 Paaren starten. Mit 89 von 90 möglichen Kreuzen kamen wir ins Viertelfinale. 11 Paare schieden aus. Auch die Runde der besten 12 erreichten wir problemlos. Jetzt ging es ums Ganze. Würden wir als Neulinge, die noch nicht in der Weltrangliste zu finden sind, eine Chance haben, ins Finale zu kommen? Wenn es nach der Meinung einiger deutscher Schlachtenbummler ging, dann ja. Wir waren mit unserem Tanzen zufrieden, auch wenn wir wissen, dass wir manches noch besser können. Dann spielte die Nervosität wohl doch ein wenig mit. Wir fanden, dass die dritte Runde insgesamt auch unsere bestgetanzte Runde war. Letztendlich belegten wir einen guten neunten Platz. Der achte Platz hatte nur ein Kreuz mehr als wir und auch die Siebt- und Sechstplatzierten waren in greifbarer Nähe. Die Tendenz nach oben ist also da. 

Nach einer kurzen Nacht sollte unser erstes Weltranglistenturnier in der neuen Altersklasse schon um 9:15 Uhr beginnen. Wieder dauerte der Check-In extrem lange, sodass das Turnier mit Verzögerung begann. 30 Paare wollten sich in Standard messen. Wir konnten unsere Leistung vom Vortag noch steigern und beendeten das Turnier glücklich auf dem 5. Platz. Nach einer längeren Pause startete am Nachmittag die Lateinsektion mit 19 Paaren. Auch hier konnten wir die Wertungsrichter überzeugen und verpassten nur denkbar knapp den vierten Platz. Das Turnier endete pünktlich, sodass noch genug Zeit blieb im Hotel lecker zum Abend zu essen. Nach 65 Turniertänzen an zwei Tagen konnten wir sehr zufrieden unsere letzte Nacht in Lyon verbringen. 

Viel hatten wir uns in diesem Jahr noch vorgenommen. Dank Corona fällt nun etliches aus. Was uns bleibt, ist zu Hause ein Raum von 3x2,5 m fürs Training, wenn Tisch und Stühle raus geräumt werden. Nach schon knapp vier Wochen home-training vermissen wir neben der Familie unsere Trainer, Schüler und Tanzfreunde unendlich. Obwohl wir noch das Glück hatten, Anfang März unsere Gebietsmeisterschaft Kombi in Lübeck zu tanzen und jeden Tanz eindeutig gewinnen zu dürfen, kommt es uns vor als läge unser Wettkampf schon eine Ewigkeit zurück. 

Wir wünschen allen beste Gesundheit, einen festen Zusammenhalt von Familie und Freunden, sowie viele kreative Ideen für zu Hause. Haltet durch!

 

 

Anja Platz

In Auszügen veröffentlicht im Tanzspiegel Juni 2020 (Regionalseiten)

https://www.tanzsport.de/de/presse/tanzspiegel